„Aufstieg durch Bildung – eine Frage der Haltung?“
Am 3. November 2011 laden die Unternehmerverbände Niedersachsen e.V. (UVN) in die Niedersächsische Landesvertretung nach Berlin, um mit Ministerpräsident David McAllister, Margot Käßmann und führenden Persönlichkeiten der niedersächsischen Wirtschaft, die Voraussetzungen in Gesellschaft, Bildungsinstitutionen, Politik und Wirtschaft für den Aufstieg durch Bildung zu erörtern. Ein Presse-Fototermin findet um 18:25 Uhr statt.
Berlin/Hannover. Um die zukünftigen Fachkräftebedarfe zu decken, ist die Aktivierung "stiller Reserven" unbedingt erforderlich. In Deutschland hängen der Bildungshintergrund der Eltern und die Bildungskarrieren der Kinder stärker als in anderen Ländern miteinander zusammen. Im Zuge der demografischen Entwicklung und des Strukturwandels ist eine überproportional große Fachkräftelücke gerade bei den Hochqualifizierten zu erwarten. Daher ist der "Aufstieg durch Bildung" zur wirtschaftlichen Notwendigkeit geworden. Im Rahmen der Aktivitäten zur Schließung der Fachkräftelücke nehmen die UVN deshalb am 3.11.2011 die politischen, gesellschaftlichen und individuellen Voraussetzungen des "Aufstiegs durch Bildung" in den Fokus.
Stimmen des Abends
Werner M. Bahlsen, Präsident der Unternehmerverbände Niedersachsen e.V. und Vorsitzender der Geschäftsführung der Bahlsen GmbH & Co. KG:
„In wenigen Ländern Europas hängen die Bildung der Eltern und die Karrieren der Kinder so eng zusammen wie in Deutschland. Das können wir uns zukünftig nicht mehr leisten. Nur 24 von 100 Kindern aus Nicht-Akademikerfamilien studieren. Eine überproportional große Fachkräftelücke ist aber gerade bei den Akademikern zu erwarten. Aus diesem Grund muss unser Bildungssystem durchlässiger werden, damit mehr begabte junge Menschen den Sprung unabhängig von ihrem sozialen Background schaffen. Dabei gilt aber auch: nur wer sich fordert, wird gefördert. Motivation und Durchhaltewille sind entscheidend.“
David McAllister, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen:
„Bildung ist der Schlüssel zu Aufstieg, Wohlstand und gesellschaftlicher Teilhabe. In Niedersachsen investieren wir jährlich rund acht Milliarden Euro in Bildung und Wissenschaft. Das ist so viel wie nie zuvor in der Geschichte des Landes. Mit der Einführung der Oberschule haben wir in Niedersachsen die Chance, die ideologisch motivierte Schulstrukturdebatte zu beenden. Unterschiedliche Bildungsangebote dürfen nicht zum Mobilitätshemmnis werden. Wir brauchen weitergehende länderübergreifende Vereinbarungen und besser vergleichbare Abschlüsse.“
Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann, Professorin für Sozialethik und Ökumene, Ruhr-Universität Bochum:
"Ich bin überzeugt davon, dass Bildung Haltung erzeugt. Es ist erschreckend, wie klar Kinder aus armen Familien heutzutage ihre Situation einschätzen. Sie glauben als 8 oder 11jährige schon nicht mehr daran, dass sie es einmal schaffen könnten! Das war in meiner Generation ganz anders. Gute Bildung und Ausbildung muss ein Ziel sein, das Einsatz wert und erreichbar scheint. Dabei geht es um mehr als um Kompetenzen, wie sie die PISA-Studie misst. Ethische, soziale und religiöse Bildung gehören zur Grundbildung, in einer Gesellschaft, die droht zur Ich-Ag zu mutieren. Wie soll z. B. an einer Hauptschule Wissensvermittlung stattfinden, wenn in einer einzigen Klasse 16 Schülerinnen und Schüler aus 14 Nationen unterrichtet werden? Hier müssen elementare Verhaltensweisen, Sprachkompetenz und Gemeinsinn vermittelt werden."
Peter- Jürgen Schneider, Mitglied des Vorstands der Salzgitter AG, Unternehmensbereich Personal und Dienstleistungen:
„Damit ein individueller Aufstieg durch Bildung gelingt, bedarf es einer Reihe von Voraussetzungen. „Haltung“, also Aufstiegswille, Einsatzbereitschaft und Fleiß, ist die Grundvoraussetzung. Hinzu kommt jedoch anderes: Materielle Rahmenbedingungen, Durchlässigkeit im Bildungssystem z. B. für Berufstätige, Unterstützungs- und Beratungsangebote für Aufstiegswillige. Diese Punkte gelten auch für den kollektiven Aufstieg, also die gesellschaftliche und wirtschaftliche Weiterentwicklung. Hier liegt noch manches im Argen.“
Heinz-Gerhard Wente, Mitglied des Vorstands der Continental AG, CEO der ContiTech AG:
„Für das berufliche Vorankommen müssen junge Menschen den Willen haben, etwas aus ihrem Berufsleben zu machen. Daher sind ein gesunder Ehrgeiz sowie eine hohe Lern- und Leistungsbereitschaft von zentraler Bedeutung für den beruflichen Aufstieg. Durch interne Leitlinien wollen wir dem Nachwuchs dabei helfen, sich von Anfang an im Unternehmen zurecht zu finden. Ganz wichtig dabei: Um Wirkung zu entfalten, müssen diese durch die erfahrenen Mitarbeiter – die oft auch als Mentoren fungieren - vorgelebt werden.“
Berthold Krebs, Geschäftsführer des Bechtle IT-Systemhaus Hannover:
„Ich bin überzeugt, dass die gemütlichen Zeiten vorbei sind, in denen die Rechnung Abitur plus Studium gleich Karriere aufgeht. Wer weiß heute schon, was morgen gebraucht wird? Diese Frage macht deutlich, dass man eigentlich nur einen Fehler machen kann: stehen bleiben und sich mit dem Status quo begnügen. Für mich war die Frage: Wie geht’s weiter? immer eine positive Herausforderung, ein Versprechen und nie ein resignierter Hilferuf. Jeder kann heute jenseits akademischer Vorprägung unendlich viel erreichen. Wenn man es selbst will – und wenn man die notwendige Disziplin aufbringt. Die Türen stehen offen. Mein beruflicher Werdegang mag dafür ein gutes Beispiel sein.“
Zur o.g. Veranstaltung am heutigen 3. November 2011, um 18:30 Uhr in der Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund, In den Ministergärten 10, 10117 Berlin sind Sie herzlich eingeladen.





